Die partielle Sonnenfinsternis am 29. März 2025 – Ein Himmelsspektakel zum Selberbauen
Am vergangenen Freitag, dem 29. März 2025, hatten wir in Deutschland die Gelegenheit, ein faszinierendes astronomisches Ereignis zu beobachten: eine partielle Sonnenfinsternis. Für alle, die das Phänomen verfolgt haben, war es ein eindrucksvolles Erlebnis – und für diejenigen, die es verpasst haben, möchte ich in diesem Blogbeitrag einen Einblick geben und zeigen, wie man mit einfachen Mitteln solche Ereignisse sicher beobachten kann.
Was ist eine Sonnenfinsternis?
Bei einer Sonnenfinsternis schiebt sich der Mond zwischen Sonne und Erde, wodurch der Mondschatten auf die Erdoberfläche fällt. Je nachdem, wie genau die Konstellation ist, unterscheiden wir zwischen drei Arten:
- Totale Sonnenfinsternis: Der Mond verdeckt die Sonnenscheibe vollständig
- Partielle Sonnenfinsternis: Nur ein Teil der Sonnenscheibe wird verdeckt
- Ringförmige Sonnenfinsternis: Der Mond steht zu weit von der Erde entfernt, um die Sonne vollständig zu verdecken, wodurch ein leuchtender Ring entsteht
Die Sonnenfinsternis vom 29. März 2025 war eine partielle Finsternis, bei der – je nach Beobachtungsort in Deutschland – etwa 25 bis 40 Prozent der Sonnenscheibe vom Mond bedeckt wurden.
Warum sind Sonnenfinsternisse selten?
Obwohl der Mond einmal im Monat um die Erde kreist, kommt es nicht jeden Monat zu einer Sonnenfinsternis. Der Grund dafür ist die leichte Neigung der Mondbahn gegenüber der Erdbahn. Nur wenn Sonne, Mond und Erde genau in einer Linie stehen (Neumond) und sich der Mond zusätzlich nahe einem seiner Bahnknoten befindet, kann es zu einer Sonnenfinsternis kommen.
Sichere Beobachtung einer Sonnenfinsternis
Eines vorweg: Niemals direkt in die Sonne schauen! Auch während einer partiellen Sonnenfinsternis kann der ungeschützte Blick in die Sonne zu schweren und dauerhaften Augenschäden führen.
Es gibt verschiedene sichere Methoden zur Beobachtung:
- Spezielle Sonnenfinsternisbrillen mit zertifizierten Filterfolien
- Schweißerfilter der Schutzstufe 14 oder höher
- Astronomische Teleskope mit geeigneten Sonnenfiltern
Aber eine der einfachsten und sichersten Methoden ist die Projektion – und genau diese habe ich für die Beobachtung am 29. März gewählt.
Mein selbstgebauter Sonnenfinsternis-Projektor
Benötigte Materialien:
- Ein Pappkarton
- Aluminiumfolie
- Eine Nadel oder Reißzwecke
- Klebeband
- Ein Blatt weißes Papier (optional)
So habe ich meinen Projektor gebaut:
- In eine Seite des Kartons habe ich ein etwa 5×5 cm großes Fenster geschnitten
- Dieses Fenster habe ich mit Aluminiumfolie bedeckt und mit Klebeband befestigt
- Mit einer Nadel habe ich vorsichtig ein kleines Loch in die Mitte der Folie gestochen
- Fertig! Der Projektor war einsatzbereit
Wichtiger Hinweis zur Lochgröße:
Die Größe des Lochs in der Aluminiumfolie ist entscheidend für die Qualität der Projektion. Ein zu großes Loch führt zu einem helleren, aber unscharfen Bild. Bei meinem ersten Versuch wurde das Loch etwas zu groß, wodurch das Sonnenbild zwar hell, aber leider unscharf war und die Mondsilhouette nicht klar zu erkennen war.
Sollte euch das auch passieren, gibt es zwei einfache Lösungen:
- Entweder ihr beginnt mit einem neuen Stück Aluminiumfolie
- Oder ihr vergrößert den Abstand zwischen Loch und Projektionsfläche – je größer der Abstand, desto schärfer wird das Bild auch bei einem etwas zu großen Loch
Idealerweise sollte das Loch etwa 1-2 mm Durchmesser haben. Eine Nadelspitze oder eine sehr feine Reißzwecke eignet sich perfekt. Im Zweifelsfall lieber mit einem kleineren Loch beginnen und es bei Bedarf vorsichtig vergrößern.
Die optimale Lochgröße und Projektionsentfernung berechnen
Für die Wissenschaftsbegeisterten unter euch: Es gibt eine physikalisch fundierte Formel zur Berechnung des optimalen Lochdurchmessers, basierend auf dem Rayleigh-Kriterium:
d_optimal = 2 × √(λ × f)
Wobei:
- d_optimal = der optimale Lochdurchmesser in mm
- λ = die Wellenlänge des Lichts in mm (für Sonnenlicht ca. 0,00055 mm)
- f = die Entfernung zur Projektionsfläche in mm
Wenn wir die Formel nach f umstellen, bekommen wir:
f = (d_optimal)² / (4 × λ)
Beispielrechnungen:
- Bei einem Loch mit 1 mm Durchmesser: optimale Entfernung ≈ 1² / (4 × 0,00055) ≈ 455 mm (ca. 46 cm)
- Bei einem Loch mit 2 mm Durchmesser: optimale Entfernung ≈ 2² / (4 × 0,00055) ≈ 1818 mm (ca. 1,8 m)
Übrigens: Ein 1 mm Loch mit einer Projektionsfläche in 50 cm Entfernung erzeugt ein Sonnenbild mit einem Durchmesser von etwa 4-5 mm.
Diese Formel berücksichtigt den Kompromiss zwischen zwei gegenläufigen Effekten:
- Beugungseffekte: Bei zu kleinem Loch wird das Licht gebeugt und das Bild unscharf
- Geometrische Unschärfe: Bei zu großem Loch überlappen sich die Lichtstrahlen und das Bild wird ebenfalls unscharf
Der optimale Punkt liegt genau in der Mitte dieser beiden Extreme. In der Praxis bedeutet das:
- Wenn euer Loch zu groß geraten ist, vergrößert den Abstand zur Projektionsfläche
- Wenn das Bild zu dunkel ist, könnt ihr das Loch vorsichtig vergrößern, müsst dann aber auch den Abstand entsprechend anpassen
Keine Sorge, wenn ihr nicht mit der Formel rechnen wollt – experimentieren ist ebenfalls ein guter Weg! Verändert einfach den Abstand, bis das Bild am schärfsten erscheint.
Beobachtung der Sonnenfinsternis
Am Tag der Finsternis habe ich meinen Projektor mit dem Loch in der Folie in Richtung Sonne gehalten. Das kleine Loch wirkt nach dem Prinzip der Camera Obscura und projiziert ein Bild der Sonne auf die gegenüberliegende Innenseite des Kartons.
Auf dem Bild ist deutlich zu sehen, wie der Mond sich vor die Sonnenscheibe schiebt. Was wir hier sehen, ist ein kleiner heller Punkt – das projizierte Bild der teilweise verdeckten Sonne. Diese Methode ist absolut sicher, da man nie direkt in die Sonne schauen muss.
Mein Fazit zur Beobachtung
Die selbstgebaute Projektionsmethode hat hervorragend funktioniert! Trotz ihrer Einfachheit war die Beobachtung der partiellen Sonnenfinsternis ein beeindruckendes Erlebnis. Besonders faszinierend war es, die langsame Bewegung des Mondschattens über die Sonnenscheibe zu verfolgen.
Interessantes Phänomen bei Smartphone-Fotos
Ein interessantes Phänomen habe ich beobachtet, als ich versuchte, die partielle Sonnenfinsternis mit meinem iPhone zu fotografieren: Während die Sonne im Hauptbild zu stark überbelichtet war, um den Mondschatten deutlich erkennen zu können, war die Sonnenfinsternis in einer Reflexion innerhalb des Fotos erstaunlich gut sichtbar!
Dieses Phänomen lässt sich folgendermaßen erklären:
- Bei der direkten Aufnahme der Sonne wird der Kamerasensor des Smartphones von der extremen Helligkeit überwältigt, was zu einem überbelichteten weißen Bereich führt, in dem der Mondschatten kaum sichtbar ist.
- Die kleinere, schwächere Reflexion, die im Bild erscheint, ist ein interner Reflexionseffekt im komplexen Linsensystem der Kamera. Da diese Reflexion weniger intensiv ist, wird sie nicht überbelichtet und kann daher den Kontrast zwischen Sonne und Mondschatten bewahren.
Professionelle Astrofotografen verwenden spezielle Filter und Ausrüstung, um Sonnenfinsternisse zu fotografieren, aber dieses unbeabsichtigte Nebenprodukt der Smartphone-Kameraoptik bietet eine interessante Alternative für Gelegenheitsbeobachter!
Die nächsten Sonnenfinsternisse
Wer dieses Ereignis verpasst hat oder jetzt auf den Geschmack gekommen ist, muss nicht allzu lange auf die nächste Gelegenheit warten:
- 12. August 2026: Totale Sonnenfinsternis (in Spanien und Island total sichtbar, in Deutschland als partielle Finsternis)
- 2. August 2027: Totale Sonnenfinsternis (in Nordafrika total sichtbar)
- 26. Januar 2028: Ringförmige Sonnenfinsternis (im südlichen Südamerika sichtbar)
Fazit
Sonnenfinsternisse gehören zu den eindrucksvollsten astronomischen Ereignissen, die wir von der Erde aus beobachten können. Mit einfachen Mitteln wie dem selbstgebauten Projektor kann jeder sicher an diesem Erlebnis teilhaben. Die Methode eignet sich auch hervorragend, um Kindern die Faszination der Astronomie näherzubringen.